Weg frei! Für Glarner Fische

Die Glarner Gewässer werden seit der Industrialisierung intensiv zur Gewinnung von Wasserkraft genutzt. Dies hatte massive Korrekturen und Verbauungen der Gewässer zur Folge, welche sich dramatisch auf den artenreichen Lebensraum der Fliessgewässer auswirken.

Ein natürlicher Gewässerlauf prägt die ihn umgebende Natur durch stetes Formen, Umgestalten und Zerstören. Diese Dynamik ermöglicht zahlreichen spezialisierten Arten einen Lebensraum, den es sonst nur selten gibt. Doch es sind nicht nur die Lebensräume selbst, die durch die natürlichen Fliessgewässer entstehen, sie sind auch die Vernetzungsachsen unserer Landschaften. Sie verbinden benachbarte und entfernte Lebensräume und sorgen so für einen genetischen Austausch. Verhindern Barrieren diesen Austausch, verarmt die Art genetisch und wird anfällig für Krankheiten und stirbt aus. Es sind diese Lebensadern und Lebensräume, die durch die massiven Gewässerverbauungen seit dem 18. Jahrhundert zerstückelt, ausgepflästert, begradigt, zubetoniert und gezähmt wurden.

Beseitigung von Wanderhindernissen

Mit dem revidierten Wasserschutzgesetz sollen Wanderhindernisse für wassergebundene Lebewesen durchgängig gemacht werden. Bis 2030, so will es das Gesetz, sollen die Kantone geeignete Massnahmen ergreifen, um die Fischgängigkeit im Bereich der Kraftwerksbauten wiederherzustellen. Laufende Konzessionen für Wasserentnahmen zur Energiegewinnung sollten nach Ablauf so angepasst werden, dass genügend Restwasser in den Flüssen verbleibt, damit diese ihre ökologische Funktion als Lebensraum wahrnehmen können. Das tönt theoretisch gut, wird in der Praxis aber oft zu Gunsten ökonomischer Interessen der Kraftwerksbetreiber abgeschwächt.

Der WWF Glarus setzt sich ein

Mit dem Projekt «Weg frei für Glarner Fische» wird der WWF Glarus aktiv und überprüft die vorhandenen Wanderhindernisse, Wasserentnahmen mit Restwasserstrecken, Konzessionen und die bereits ausgeführten Fischaufstiegshilfen. Werden die Vorgaben des Bundes vom Kanton und den Kraftwerksbetreibern eingehalten und die Anlagen für ökologischen Ausgleich korrekt gewartet? Mit dem Kindermusical «Blubb» hat der WWF Glarus im Frühling 2018 mit einem Auftritt in der Kantonshauptstadt die Bevölkerung auf die Missstände aufmerksam gemacht.

Wir sind bei diesem Projekt auf die Mithilfe von Freiwilligen angewiesen. Liegen ihnen naturnahe Gewässer ebenfalls am Herzen und sind sie bereit, den einen oder anderen Abschnitt auf ihrer Joggingstrecke oder auf dem Arbeitsweg zu überwachen? Dann melden sie sich beim WWF Freiwilligenportal an.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Regionalbeilage des WWF Magazins 3/2018.

Ein dynamisches Gewässer,
strukturreich, wild, einfach schön!
© Christian Hossli
Die Linth beim Kraftwerk Spinnerei: Wenig Restwasser, verbaut,
begradigt und strukturarm. Hier gibt es keine Gewässerdynamik.
© Andreas Nagel

BLUBB

BLUBB, das Musical

Künstliche Hindernisse in der Linth verhindern, dass Fische natürlich wandern können. Dieses Thema wurde am Landsgemeindesamstag von einem Kinder-Strassen-Theater des WWF Glarus aufgenommen. Die Aufführung ist Teil des WWF-Projektes «Weg frei! Für Glarner Fische».

Tanzende Fische, intakte Linth

Ein 13 Meter langes, schillernd blaues Tuch stellt die Linth dar. Mit bunten, selbst bemalten Kartonfischen zaubern 10 Kinder im Alter von 7-10 Jahren eine intakte Flusslandschaft auf die Strasse. Das fröhliche Springen, Hüpfen und Durchs-Wasser-Pfeilen der Fische wird begeistert dargestellt. Dies zu den Klängen von «I feel better when I'm dancing», die aus mobilen Lautsprechern ertönen.

Fleissige Ingenieurinnen

Plötzlich treten zwei Ingenieurinnen und ein Ingenieur zu den wuchtigen Beats von «Eye of the Tiger» auf. Sie bewundern die grosse Kraft des Flusses. Mit grosser Begeisterung bauen sie eine Staumauer im Fluss und produzieren viel Strom. Auch diese Szene wird mit einfachen Requisiten aus Karton zum Leben erweckt.

Um Leben und Tod

Die Staumauer bewirkt, dass der Wasserstand des Flusses stark absinkt. Die Fische leiden sehr (melancholische Musik aus «Karneval der Tiere»). Dass die Fische sterben, weil zuwenig Wasser im Fluss verbleibt, darf nicht sein! Die Kinder stellen den Nutzungskonflikt ums Linthwasser mit grosser Ernsthaftigkeit dar.

Happy End

Als Retter in der Not erscheint der Pandabär. Er schafft es, einen Kompromiss zwischen Fischen und Ingenieurinnen zu erwirken. Der Fluss strömt wieder, der Strom fliesst, jedoch beides etwas weniger als am Anfang. Die Fische können wieder tanzen und die Ingenieurinnen tun es ihnen gleich. Wie zu Anfang erklingt fröhliche Musik und ein buntes Schlussbild entsteht.

Weg frei! Für Glarner Fische

Warum dieses Theater? Die Wanderung hinauf zu den Laichgründen, z.B. im Tierfehd, ist überlebenswichtig für die Fische. Das Projekt «Weg frei! Für Glarner Fische» wurde zu einem der Schwerpunkte 2018 des WWF Glarus erklärt. Ziel ist es, dass die Restwasserstrecken und die Fischaufstiegs- und -abstiegs-Hilfen für die einheimischen Fische besser passierbar sind als dies heute der Fall ist. Die Form des Strassentheaters wurde vom WWF Glarus mit Bedacht gewählt: den zahlreichen Passanten konnte auf unterhaltsame Weise ein wichtiges Glarner Thema nahe gebracht werden 

BLUBB, der Film

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